Sonntag, 9. August 2015

10 Tage Marokko - ein Reisebericht


10 Tage Marokko im Juni 2015 – Teil 1 – Marrakesch


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Wir (Hermann, 57 Jahre, Elke, 51 Jahre – Verfasserin) hatten für diesen 10-tägigen ersten Marokko-Urlaub lediglich die Flüge bei Ryanair gebucht, sowie das Riad Mahjouba in der Medina vonMarrakesch für die ersten drei Nächte.
E+HDas war gut vorausgeschaut, denn wegen Triebwerkschaden (und dem damit verbundenen Umsteigen auf eine andere Maschine) kamen wir zweieinhalb Stunden später in Marrakesch an – Ankunft am Flughafen Marrakesch um 21.30 Uhr.
Teil 1: Marrakesch
Donnerstag
Der Fahrer des Riads, mit dem wir per E-Mail eine Abholung vereinbart hatten, war nicht zu sehen (dafür wurden jede Menge andere Schilder von Gästehäusern – Riads – im Trubel hochgehalten). Es haben sich gleich drei Taxifahrer um uns bemüht, außerdem stand ein Linienbus bereit. Nach zähen Verhandlungen (es wurde der dreifache Preis genannt gegenüber dem Abholdienst vom Riad) haben wir uns in die Medina von Marrakesch bringen lassen. Der Fahrer entließ uns am Bab (Tor) Doukalla und meinte dass wir geradeaus, dann rechts, dann zweimal links laufen müssten, um in unser Gästehaus zu kommen. Tja, so habe ich die Erklärungen in französischer Sprache jedenfalls verstanden.
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Die Medina (Altstadt) ist ein Labyrinth aus schmalen bis schmalsten Gassen, gleich aussehenden Häusern mit jeder Menge Lädchen und dazu sehr viel Verkehr: Überwiegend fahren stinkende Mopeds, Fahrräder aber auch Eselskarren und Pferdekutschen zwischen jeder Menge Fußgängern herum. Auf dem Boden werden Obst und Gemüse, Textilien uvm. Angeboten. Auch zu später Stunde ging es sehr lebhaft zu. Genauso hatte ich es mir vorgestellt!
IMG_5708Da wir mit unserem Gepäck ziemlich orientierungslos und sehr beeindruckt durch die bunten Gassen gelaufen sind, haben uns zwei ärmlich gekleidete Jugendliche angesprochen und gefragt, was wir suchen. Natürlich wieder in französischer Sprache. Wir haben Ihnen den Namen unseres Riads genannt und sind ihnen gefolgt. Ein dritter junger Mann hat sich angeschlossen. Die Gassen wurden immer enger und wir hatten beide nicht das Gefühl, 

dass wir zu einem „Gästehaus“ geführt werden. Irgendwie war uns mulmig. Doch wir kamen am Ziel an, einige Blumentöpfe markierten den Eingang des Riads, das ansonsten sehr unauffällig in einer besonders schmalen Gasse zu finden war. 
Einmal habe ich beobachtet, wie ein Esel rückwärts aus der Gasse geführt wurde.

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Der Lohn für die Hilfe musste hart verhandelt werden, zumal uns gleich drei sogenannte „Schlepper“ begleitet hatten.

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Ich habe am Riad geklingelt und der Nachtportier hat uns in Empfang genommen und uns ein kleines, liebevoll dekoriertes, jedoch fensterloses Zimmer mit Bad geführt. So angekommen!!




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Wir hatten großen Hunger und es musste Wasser gekauft werden für die Nacht. Also sind wir nochmal losgezogen, etwas vorsichtig um drei Ecken gebogen (wir mussten uns den Rückweg einprägen) und kamen an einer kleinen Garküche an mit drei Sitzgelegenheiten dahinter, auf engstem Raum. Die „Küche“ war draußen an der Straße und es roch sehr gut nach Fleisch vom Spieß. Sehr viele Einheimische standen Schlange und holten sich Brot und Fleisch ab. Wir haben uns in den klitzekleinen, gefliesten Gastraum gesetzt und wurden gleich mit einer Schale Oliven, einem Brotkorb und einem Tomatensugo zum Dippen begrüßt. Wir haben auf den Fleischspieß gedeutet und zwei Portionen bestellt. Diese wurden uns zusammen mit weiterem, noch warmem Fladenbrot serviert. Ich hatte mich nach Gabeln umgesehen und dann bemerkt, dass die Jugendlichen am Nachbartisch mit den Händen (halt – mit der rechten Hand, denn die Linke ist unrein) essen. Was soll ich sagen – es hat toll geschmeckt. Dazu hatten wir eine Flasche Wasser bestellt, die wir noch mitnehmen konnten auf unser Zimmer. Beim Bezahlen gab es dann eine Überraschung: Wir haben umgerechnet 3 EUR (also 30 Dirham) bezahlt (für beide Essen). Erwähnenswert ist noch, dass wir danach jedes Mal beim Vorbeilaufen von dem jungen Grillchef wie Freunde gegrüßt wurden.
Freitag
Wir haben gut geschlafen und sind erfrischt zum Frühstück – insbesondere weil das Wasser in der Dusche kalt war. Außerdem ist es in den Häusern der Medina innen ziemlich kühl, da nur wenig Sonnenlicht durch die schmalen Gassen dringt. 
IMG_5759Das Frühstück wurde im lichten Innenhof serviert. Dieser Innenhof ist wunderschön dekoriert mit typisch orientalischen Sitzecken und vier Tischen für die Gäste des Hauses.

Es war bereits eingedeckt und eine Küchenangestellte hat uns noch warme „Arme Ritter“, frisches Weißbrot, besonders schmackhafte Butter sowie Feigenmarmelade, dazu Kaffee serviert (diesen hatten wir gewählt, weil wir bis dato noch nicht auf den Geschmack des marokkanischen Minztees gekommen waren). Außerdem gab es ein Glas frisch gepressten O-Saft.
Der Portier hat sich nach dem Frühstück zu uns gesetzt, uns einen Stadtplan ausgehändigt und erklärt, wo wir am günstigsten Geld wechseln können, was die Taxifahrten kosten und wo wir an eine Handykarte von Maroc Telekom kommen können.
IMG_5709Zuerst sind wir mit Hilfe des Stadtplans an den größten Platz in Marrakesch gelaufen – den Djemaa El Fna. Diesen hatten wir nach 25 Minuten durch enge Gassen und vielen Eindrücken für alle Sinne erreicht (Farben, Gerüche, Lärm…).
Der Platz ist tagsüber noch ziemlich ruhig – Hermann hat sich gleich mal eine Schlange umhängen lassen fürs Foto, 
danach haben wir Euros in Dirham umgetauscht und uns zwei Tickets für den Hop-on-hop-off-Bus gekauft.

DSCN1518Zwischenzeitlich wurden wir mehrfach aufgefordert, uns in eine Pferdekutsche zu setzen, die dort in großer Zahl auf Touristen warten. Der Vorteil gegenüber dem Hop-on-Hop-off-Bus ist, dass die Pferdekutschen auch innerhalb der Stadtmauer, also durch die Medina fahren können.
DSCN1529Auf dem Djemaa el Fna stehen Tag und Nacht ca. 30 Orangensaft-Stände. Die Verkäufer versuchten mit viel Geschrei, Blickkontakt zu bekommen und boten ihren frisch gepressten O-Saft an. Meist entwickelte sich auch ein Gespräch und das Versprechen, morgen nochmal bei ihm vorbeizuschauen, da man ja nun “befreundet” war … “my friend from Germany, see you tomorrow … Inshallah“. “So Gott will” wird fast jedem Satz angehängt. Ich sollte noch erwähnen, dass ein Glas Orangensaft 4 Dirham kostet – das sind umgerechnet 40 Cent. Wir haben dann auch noch eine weitere, teils gefrorene Flasche für den Durst mitgenommen. Eine gute Entscheidung, denn es wurde sehr heiß. Damit haben wir uns in den Bus gesetzt (bei strahlendem Sonnenschein und gut behütet natürlich ins Obergeschoss).
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Zunächst sind wir die rote Linie gefahren und haben uns in deutscher Sprache die Sehenswürdigkeiten dieser bunten Stadt erläutern lassen. In der „modernen“ Stadt haben wir auch H&M, Zara, Café Extrablatt vorgefunden. Außerdem gibt es außerhalb der Stadtmauer viele große, teils auch luxuriöse Hotels. Wunderschön auch immer wieder die Aussicht auf schneebedeckte Berge des Atlasgebirges.
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.Viel besser gefallen hat uns jedoch die Altstadt, die von einer gigantischen Stadtmauer umrahmt ist.


IMG_5833Jedes Bab (Tor) hat einen eigenen Namen, an dem wir uns orientiert haben, was auch mit der Handy-Karte und Internet dank google maps kein Problem war.
Zum späten Mittagessen haben wir in der Nähe des Djemaa el Fna unter Sonnenschirmen gesessen und die erste Tajine probiert. Sehr lecker!



IMG_5835Da wir nach dem Mittagessen etwas müde waren, sind wir in den Bus der „grünen Linie“ eingestiegen, der uns vorbei an einem unendlich scheinenden Palmengarten geführt hat. 




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Dort warteten viele Kamele auf Touristen. Wir konnten beobachten, wie ein Kamelbaby bei seiner Mutter getrunken hat.




DSCN1512Am späten Nachmittag sind wir noch zum Busbahnhof gelaufen (google maps macht echt fun) und haben uns wegen einer Verbindung nach Essaouira erkundigt, da wir nur drei Nächte in Marrakesch bleiben wollten.
Mittlerweile war es sehr heiß in der Stadt und wir haben in unserem Riad auf der Dachterrasse das Nationalgetränk der Marokkaner – den Minztee – genossen. Dieser wird immer in einer silbernen Kanne serviert auf einem Tablett serviert.
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Die perfekte Erfrischung – wir waren “angefixt”.
Ab diesem Moment haben wir immer wieder so viele Pausen mit Minztee eingelegt, das ich sie nicht immer hier erwähnen möchte.

IMG_5813Am Abend sind wir wieder losgezogen, da wir auf das nächtliche Leben auf dem großen Platz gespannt waren. Also wieder durch enge Gassen mit Händlern und jeder Menge Mopeds,  Karren und Eselsgespannen. 
Wir wollten uns das Essen in einer der Garküchen dort nicht entgehen lassen. Es wurde lautstark angepriesen und wir haben mit anderen Paaren an einem Tisch Platz genommen, nachdem wir die Karte studiert hatten. Auch hier wurde wieder Vorspeise serviert, außerdem Tajine und Couscous mit Hähnchen-Gemüse-Spieß.
Wir hatten – wie die anderen Paare am Tisch auch – den Überblick über die Bestellungen verloren und haben 280 Dirham für das Essen bezahlt – laut Karte hätte es unter 80 Dirham gekostet (für jedes Paar). Aber das Chaos dort mit Schüsselchen auf dem Tisch ließ leicht den Überblick verlieren (Brotkorb, Oliven, Tomatensugo, gegrilltes Gemüse, Tintenfisch uvm.). 

IMG_5788Nach dem Essen ging es noch durch den teilweise mit Strohmatten überdachten Souk (Markt) zurück an unser Riad. Inzwischen hatten wir etwas mehr Orientierung. Die Souks von Marrakesch sind ein Fest für alle Sinne…: Das Labyrinth der Gassen, die Vielfalt der Waren, der Farben und Gerüche … und nicht zuletzt wegen den Lichtspielen unter den Strohmatten.
An diesem Tag sind wir (laut meinem Fitness-Band) 20 km gelaufen – alles in „Schlappen“. Ein dickes Lob für meine brasilianischen Havaianas.
Ach ja … beinahe vergessen zu erwähnen: Beim Frühstück nach der ersten Nacht habe ich gefragt, ob auch ein Zimmer mit Fenster frei wäre. Es wurde gerade eines frei und nachdem das Hausmädchen dort geputzt hatte, konnten wir gleich umziehen – wir hatten eh unsere Taschen nicht ausgepackt.
Also konnten wir uns in einem anderen, ebenso farbenfroh und liebevoll gestaltetes Zimmer mit Himmelbett und bunten Fenstern im Zimmer sowie im Bad ausruhen. Das Wasser in der Dusche war immer noch kalt.
Samstag
Am zweiten Tag in Marrakesch haben wir in einem französischen Supermarkt außerhalb der Stadtmauer eingekauft, Käse und Oliven. Die Straßenüberquerung war lebensgefährlich, man sollte einfach drauf loslaufen (quasi vor ein Auto/Moped laufen), was ich mich jedoch nie getraut hatte. Mehr als einmal hat uns ein Einheimischer über die Straße geholfen. Sehr hilfsbereit, die Marokkaner!

DSCN1508Wir haben wieder den roten Bus genutzt, um die Menara-Gärten zu umrunden. Dieser 100 Hektar große Park ist an den Wochenenden ein beliebtes Ausflugsziel der Einheimischen und steht – ebenso wie die Altstadt – auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO.
Zum Mittagessen sind wir in dem gleichen Restaurant in der Nähe des Djemaa el Fna eingekehrt und wurden wie Bekannte gegrüßt. Angenehm war, dass dort auch eine Toilette war und man sogar die Hände mit Waschpulver (wirklich!) waschen konnte, was nicht überall der Fall ist.

DSCN1524Nach einem Mittagsschlaf im Riad haben wir einen anderen Weg durch den Souk  eingeschlagen und uns “einfach treiben lassen”. Dies ist eh die einzige Methode, sich nicht zu verlaufen …..

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Unser Ziel war wieder – wie sollte es anders sein – der Djemaa el Fna – den wir auch ohne Navigation gefunden haben. Dort gab es zur Erfrischung einen frisch gepressten O-Saft und zum Sonnenuntergang haben wir die Dachterrasse eines Restaurants am großen Platz aufgesucht. Dort sind die Preise doppelt so hoch wie am Boden, aber die Aussicht über den Djemaa El Fna zum Sonnenuntergang hinter einer Moschee hat sich gelohnt – insbesondere in Verbindung mit den Geräuschen und Gerüchen, die hochgezogen sind …  
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                            Ein unvergesslicher Moment.

IMG_5810Auf dem Rückweg hatten wir Spaß dabei, wie die Einheimischen bei den Obst- und Gemüsehändlern und Brotverkäufern am Straßenrand einzukaufen.  Es gibt rund um die Uhr frisches Brot auf der Straße zu kaufen.




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Mit den eingekauften Leckereien haben wir ein Picknick gemacht. Dabei haben wir ein Spiel gespielt … nach was riecht es in Marrakesch ….. : …fremde Gewürze …. Mopedabgase … Fisch … Minze … Feuer … frisch gebackenes Brot … Pferdeäpfel …. gegrilltes Fleisch und Gemüse … organischer Abfall … Parfumöl … Pfannkuchen … (to be continued).
Sonntag
Nach dem dritten Frühstück im Innenhof des kühlen und orientalisch eingerichteten Riads hieß es dann Aufbruch nach Essaouira. Ein junges Paar hat sich während des Gesprächs beim Frühstück spontan entschlossen, ebenfalls nach Essaouira aufzubrechen..
Direkt am Eingang des Busbahnhofs wurden wir von mehreren Verkäufern bedrängt und wir haben für lediglich 60 Dirham (6 EUR) Tickets gekauft. Den Bus haben wir uns vorher nicht angesehen. Es handelte sich nicht um einen Bus von Supratours oder CTM, sondern um eine Buslinie für Einheimische (local bus), die zwar preisgünstiger war, aber dafür habe ich mir beim Hinsetzen direkt meine Hose am zerfledderten Sitz zerrissen. Unter viel Geschrei („Essaouira! Essaouira­! Essa…..!“) und mit lautem Hupen ist der Bus losgefahren, auch als noch Menschen zugestiegen sind.
Ich hatte mich am Busbahnhof bei drei Einheimischen wegen der aktuellen Uhrzeit erkundigt, da Hermanns und mein Handy eine Stunde Unterschied hatten. Ich habe die Antworten, natürlich wieder auf Französisch, so verstanden: Ja, das könnte ungefähr stimmen (beide Handys schienen nah dran zu sein), aber die Uhr würde dieser Tage nochmal verstellt wegen Ramadan, wann genau, das weiß keiner. Fazit: Auf eine Stunde früher oder später kommt es nicht an und keiner der Einheimischen richtet sich nach der Uhrzeit. Man steht auf, wenn man ausgeschlafen hat, öffnet sein Geschäft, trinkt Tee, wenn die Sonne am höchsten steht, ist es Zeit, im kühlen Haus zu ruhen, nach Sonnenuntergang wird eingekauft gekocht, Geschäfte gemacht … und die Kinder dürfen nachts draußen spielen.

DSCN1593Der Bus hielt in jeder kleinen Ortschaft an und nahm Fahrgäste mit, viele Frauen mit kleinen Kindern, die auf dem Rücken getragen werden.
Bettler in Lumpen nutzen die Gelegenheit, bei jedem Halt in den Bus zu steigen und die Reisenden anzubetteln. Im Bus war es stickig und laut, Handys klingeln; es wurde lautstark telefoniert. Wir fuhren vorbei an Gemüsefeldern, Arganbaum-Plantagen und Olivenhainen. Die Landschaft wurde trockener.
Die 3-stündige Reise zog sich sehr in die Länge und ich freute mich auf einen frischen Minztee nach dem Ankommen. Eine Klimaanlage gab es in diesem Bus nicht.